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Heutiges Datum
30. Juli 2021

Nichts geht wegen Corona? – Nicht mit der Geschichts-AG des Kepi!


Zahlreiche Preisträgerinnen und Preisträger beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

14 interessierte und begabte Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7-12 zeigen eindrucksvoll, was trotz Corona alles möglich ist. Eigentlich treffen sie sich einmal in der Woche unter der Leitung von Almuth Ansorge und Dinah Fleury, um sich mit geschichtlichen Themen auseinanderzusetzen. Und eigentlich werden sie dabei vom Leiter des Stadtarchivs Roland Deigendesch unterstützt, wenn sie alle zwei Jahre am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilnehmen. Obwohl in diesem Jahr alles anders und ungleich schwieriger war, sich die Gruppe zuerst nur in nach Klassenstufen getrennten Räumen treffen durfte, von Dezember bis April komplett ins Digitale verlegt wurde und Recherchen, Zeitzeugengespräche, Interviews, … fast unmöglich waren, haben sieben Teams einen Wettbewerbsbeitrag zum Thema „Sport macht Gesellschaft“ eingereicht, von denen vier sogar ausgezeichnet wurden.



Lisanne Räwer Tanguep gewann mit ihrem virtuellen Museumsrundgang über Ariane Döser, eine Leichtathletin aus Reutlingen, den Landespreis. Die Idee zu diesem digitalen Museumsbesuch kam der Neuntklässlerin, nachdem sie selbst die Erfahrung gemacht hatte, dass aufgrund der Corona-Beschränkungen keine Museumsbesuche und Ähnliches mehr möglich waren und die Kulturschaffenden andere Wege finden mussten, um weiterhin im Gespräch zu sein. Mit ihrer Idee wollte sie den Menschen weiterhin kulturelle Erlebnisse ermöglichen trotz Lockdown und Abstandregelungen.
Auch Franka Meszaros, aus der Klassenstufe 10 wählte für ihren Beitrag „Krieg ohne Waffen“, eine dreiteilige Studie über Fußball im Kriegsjahr 1914, mit einem Podcast ein digitales Format.
Selin Mutaukil und Katharina Vaslis, ebenfalls aus der Klassenstufe 10, verfassten das Kinderbuch „Tom und Dina – So verschieden und doch so gleich“, das sich mit Behindertensport während der NS-Zeit auseinandersetzt und Kindern die Augen dafür öffnen soll, dass trotz aller Einschränkungen alle Menschen Zugang zu sportlichen Aktivitäten haben sollten.
Ebenfalls eine klassischere Form wählten Luca Meurer und Alexander Stecker aus der Klassenstufe zehn, die ein Brettspiel kreierten, das die Spielenden ins Japan des 16. Jahrhunderts entführt. Auf einer Landkarte führt der Weg durch Schlösser und Burgen und mittels Ereigniskarten nimmt das Spiel Bezug auf eine wegweisende Schlacht, die Auswirkungen bis ins 20. Jahrhundert hatte. Die Idee zu diesem Spiel hatten die beiden Jugendlichen über ihr Hobby, den Kampfsport Aikido, das seine Ursprünge in der damals in Japan verbreiteten Kampfkunst hatte.
Auch andere Ideen zu anderen Beiträgen wie zum Beispiel das Drehbuch zu einem Film über ein Hockeyspiel im Jahr 1960 mit anschließenden Reflexionen damaliger Jugendlicher über ihre Zeit und ihre Möglichkeiten, Sport zu treiben, von Linus Zieger aus der Klassenstufe 8 entstammen den eigenen sportlichen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler.
Noch weiter zurück reicht die Studie von Lucie Harringer, die die Entwicklung des Boxsports in Reutlingen und ganz Deutschland vom Kaiserreich bis heute analysiert hat.
Die Kinder des Ganztageszuges des Kepi machten mit ihren Lehrerinnen Tina Rottmayr und Almuth Ansorge gleich ein Klassenprojekt daraus: „Wie war‘s denn früher im Sport, Herr Direktor?“ Sie gingen mit Recherchen und Zeitzeugeninterviews auf Spurensuche nach dem Schulsport am Kepi im Laufe der letzten Jahrzehnte.



Corona hat leider aber auch vielen Projekten einen Strich durch die Rechnung gemacht. So wollte Linus Zieger sein Drehbuch gerne in einem Film verwirklichen und auch das Klassenprojekt wurde von einem Film in einen Radiopodcast umgewandelt. Die Zehntklässler Finn Lübben, Luca Mackevics und Benjamin Schatz konnten ihr Projekt über das Segelfliegen in der Hitlerjugend aufgrund der dünnen Quellenlage und der schwierigen Recherchebedingungen nicht realisieren und auch Ilke Aydin aus der Klassenstufe zehn musste ihre Arbeit zum Boxer Max Herfert coronabedingt einstellen.
All diese Einschränkungen haben dem Team der Geschichts-AG aber eher Auftrieb gegeben, als es deprimiert. Die zahlreichen Preise wie der Landessieg Lisanne Räwers und der Förderpreis für die Klasse 5a, Linus Zieger und Lucie Harringer honorieren das Engagement. Neben der Freude der Preisträgerinnen und Preisträger erinnern sich alle gerne an die Exkursion nach München, die im März 2020 kurz vor dem Lockdown noch stattfinden konnte und spannende Einblicke ins Wirken der Geschwister-Scholl, das Olympia-Gelände und das jüdische Museum gegeben hat.
Und sie schauen schon wieder nach vorne. Damit auch die Kepi-Gemeinschaft Anteil am Wirken der Geschichts-AG hat, hängen ab jetzt das von Antonia Fink, Elissa Meurer und Greta Sittig aus der Klassenstufe 7 gestaltete Plakat, das Ursachen und Folgen des Reutlinger Stadtbrands untersucht, aus. Und natürlich werden schon wieder Pläne geschmiedet. Denn nach dem Wettbewerb die Beine hochzulegen und den Sommer zu genießen, wäre nur eine Möglichkeit.
Die Schülerinnen und Schüler der Geschichts-AG haben sich natürlich für eine andere Variante entschieden: Sie wollen ein Buch unter dem Arbeitstitel „Memories of a different time“ schreiben, das aus der Sicht der Jugendlichen darüber berichtet, wie sich ihr Alltag während des wochenlangen Lockdowns verändert hat, was sie in der Corona-Krise gelernt haben und welche neuen Hobbies aus der Krisensituation heraus entstanden sind. In diesen Themen zeigt sich einmal mehr der Optimismus, den sich diese jungen Menschen trotz all der Schwierigkeiten in den letzten eineinhalb Jahren erhalten haben.

Bericht, Bilder: Frau Hammer